Im Einsatz für Spanien und Europa

Schlagkräftige Truppe mit hoher Kampfmoral: Die Spanische Fremdenlegion

Michael Allhoff (Text & Photos)

Vor knapp 100 Jahren gründete Oberstleutnant Millán Astray die spanische Legion, das “Tercio de Extranjeros”. Bis heute ist die Elite-Einheit europaweit aufgrund ihres einzigartigen Kampfgeistes hoch angesehen. Und im Rahmen der Alliierten im Einsatz in vielen internationalen Krisengebieten. Die Moral der Legionäre rührt von ihren zehn Glaubenssätzen – dem “Credo Legionario”, das Astray nach dem Vorbild der Samurai formuliert hat, dem Bushido.

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Es ist der 20. September, jährlicher Feiertag der Gründung der Spanischen Legion. Mit einem Trommelwirbel des Musikkorps beginnt auf dem Waffenhof der Kaserne Álvarez de Sotomayor im andalusischen Viator bei Almería die Militärparade zum 98. Jahrestag der Eliteeinheit.

Über 1.500 Legionäre der Brigade Rey Alfonso XIII. (abgekürzt BRILEG) sprinten im Laufschritt zur Parade. Kaum eine Minute ist vergangen, da stehen die Soldaten perfekt ausgerichtet in Reih und Glied vor dem Oberkommandierenden der spanischen Heeresstreitkräfte, General Francisco Javier Varela.

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Der Jahrestag der spanischen Fremdenlegion, dem „Tercio de Extranjeros“ gegründet 1920, hat wie jedes Jahr wieder Tausende von Zuschauern in die andalusische Küstengemeinde Viator geführt, darunter Familienmitglieder der Legionäre, auch Veteranen wie Freunde und Unterstützer der bald hundertjährigen Sondereinheit. Die Veteranen, viele bereits im afrikanischen Sahara-Einsatz, tragen als Auszeichnung das metallische Emblem eines weißen Kamels über goldenem Halbmond auf ihrer olivgrünen Uniform.

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Der Ruf der Spanischen Legion als Elite-Truppe begründet sich in den Kämpfen gegen die Rifkabylen um Ceuta und Melilla, 1904 auf der internationalen Konferenz von Algeciras Spanien zugesprochen. Das spanische Militär hatte 1925 die aufständischen Berber im Protektorat Marokko besiegt. Doch ohne den todesmutigen Einsatz von rund 600 Legionären des „Tercio de Extranjeros“ in der Bucht von Alhucemas wäre die spanische Offensive gescheitert. Unter dem Kommando von Major Francisco Franco stürmten die Legionäre die Höhen der Steilküste und befreiten die Klippen von den Heckenschützen der Berber.

Während die Legionäre regungslos still stehen, hält der Chef der Legionärs-Brigade, General Marcos Llago Navarro, seine Ansprache. Als Oberstleutnant war der ausgebildete Fallschirmspringer und Kampftaucher auf internationalen Special-Ops-Einsätzen in Bosnien, im Libanon und Afghanistan.

Der Offizier, ausgezeichnet mit der „Gran Cruz del Mérito Militar“, dem Großkreuz für militärische Verdienste, stellt die ruhmreiche Vergangenheit der Spanischen Fremdenlegion vor, begründet durch Oberstleutnant Millán Astray (1879 – 1954).

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Gründer der Spanischen Legion: José Millán Astray.

„Beispielhaft, tapfer und heroisch“ erinnert er ihn, er charakterisiert den vielfach im Kampf verwundeten Oberstleutnant Astray als „Militär mit dem Talent der Organisation“, intelektuell, sprachgewandt sowie visionär und leidenschaftlich. „Sein Werk, in ständiger Weiterentwicklung begriffen, hat die Zeit überdauert“, konstatiert General Llago Navarro, „vor allem dank der Mystik der Ritterlichkeit, die er der Truppe eingeprägt hat.“

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So wenig der spanische Militär politische Interessen verfolgte, so sehr gilt er bis heute als Reizfigur in der noch jungen spanischen Demokratie aufgrund seiner Nähe zu Franco. Eine Anekdote ist überliefert, ein Streitgespräch 1936 in der Universität von Salamanca, zwischen Miguel de Unamuno und Millán Astray. So soll ihn der Republikaner Unamuno gewarnt haben: “Tenéis que tener en cuenta que vencer no es convencer y conquistar no es convertir!” – Ihr müsst bedenken, dass siegen nicht bleichbedeutend mit überzeugen und erobern nicht bekehren ist…

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Die Legion, so General Marcos Llago Navarro, beruhe „auf individueller und gemeinsamer Opferbereitschaft, Hingabe und Tapferkeit.“ Auf den Werten des „Credo Legionario“, den zehn Grundsätzen, „espíritus“ genannt, dem weltweit einzigartigen Ehrenkodex der Legion. Das Resultat? Die spanische Legion ist in der NATO unter allen Alliierten hoch geschätzt aufgrund der Ausdauer und Disziplin ihrer hart gedrillten Legionäre.

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Dann feuert eine Kompanie des dritten Tercio zum Gedenken der Gefallenen der Legion – über 10.000 Tote und 40.000 Verletzte – einen Ehrensalut aus ihren HK G-36-Sturmgewehren vor dem Mahnmal ab, über dem der Cristo de la Buena Muerte thront, der Christus des guten Todes. „Viva España!“ – Es lebe Spanien“, ruft der Militär. „Viva!“ erschallt es unisono aus der Formation der Soldaten. „Viva el Rey!“ – „Viva!“, „Viva la Legion!“ – Viva!“

Bräutigam des Todes

Jetzt ertönt tausendfach wie aus einer Kehle das Lied der Legion – „El novio de la muerte“, der Bräutigam des Todes. La muerte, der Tod, ist vom Geschlecht gesehen feminin im Spanischen. Und es mag eben der so martialische wie mystische Totenkult der Legion sein, der den Kampfgeist der spanischen Legion prägt – am 20. September 1920 von Oberstleutnant José Millán Astray in Nordafrika nach dem Vorbild der französischen Fremdenlegion gegründet.

Inbrünstig singen die Legionäre mit rauer Stimme ihr Kampflied: „Ich bin ein Mann, den das Schicksal mit scharfer Klaue gezeichnet hat, ich bin ein Bräutigam des Todes, mit innigem Band solch treuer Begleiterin verbunden…“ Ihr Leitspruch lautet bis heute „Legionarios a luchar, Legionarios a morir“ – Legionäre, auf zum Kampf, Legionäre, auf zum Sterben…

Das Credo der Legion

Das „Credo Legionario“, das Credo der Legionäre, das Millán Astray aus dem Ehrenkodex der Samurai, dem Bushido, abgeleitet hat und in seinem Buch „El Le- gionario“ ausformulierte, dient seit 1923 und bis heute als moralische Richtlinie der Einheit. Im Absatz „El espíritu de la disciplina“ (auf deutsch: Der Geist der Disziplin), spiegelt sich die völlige Unterwerfung und der blinde Gehorsam des Legionärs im Satz: „Er wird seine Aufgabe erfüllen, er wird gehorchen bis zum Sterben.“ Und weiter: „Das Sterben im Kampf ist die höchste Ehre. Man stirbt nur einmal. Der Tod kommt ohne Schmerz, und das Sterben ist nicht so schrecklich, wie es scheint. Das Schrecklichste ist, als Feigling zu leben.“ Das „Credo Legionario“, hat Gründer Astray einst notiert, ist „die spirituelle Grundlage der Legion, ihr Rückenmark und ihr Nerv, ihre Seele und ihr Ritual“.

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Die legendäre Todesverachtung der Truppe gibt auch die „Canción del Legionario“ wieder: „Ich bin ein tapferer und treuer Legionär, ich bin Soldat der wackeren Legion… Ich kenne keine Angst, mein Schicksal ist es zu leiden; mein Auftrag ist der Kampf, bis zum Sieg oder dem Tod.“ Als das Lied nach dem Salut auf dem Hof der Kaserne Álvarez de Sotomayor vorgetragen wird, stehen so manchem Legionär Tränen der Rührung in den Augen. Eine Hand voll Soldaten, meist “Damas Legionarias”, sind da längst umgekippt, ohnmächtig geworden aufgrund des drei Stunden langen Stillstehens in der spätsommerlichen Mittagshitze.

Missionen im Ausland

Seit ihrem ersten Einsatz im Ausland, 1992 in Bosnien-Herzegowina im Rahmen der Vereinten Nationen, hat sich die Legion in Albanien (1997), in drei Einsätzen im Kosovo (1999/2000 und 2001), in Mazedonien (2001), im Irak (2003 und 2004), in Afghanistan (2006), dem Kongo (2006) und im Libanon (2007) bewährt. Als „Peacekeeping missions“, zu Deutsch: Friedensmissionen, bezeichnen die Amerikaner diese Einsätze im Rahmen der Nato-Alliierten. Für die Soldaten ist es gleichbedeutend mit dem Ernstfall – Krieg.

„Ich war in Afghanistan, im Libanon und im Irak“, sagt Unteroffizier Mauricio Proaño beim Umtrunk nach der Militärparade. „Irak war hart, meine Einheit ist im Straßenkampf unter Beschuss geraten.“ Der Mörserschütze aus Ecuador ist seit 16 Jahren bei der Legion. Ob er Menschen habe sterben sehen? Ob er im Kampf Menschen getötet hat? Mauricio Proaño schaut in die Ferne. „Darüber spricht man nicht“, lautet seine entschiedene Antwort.

Wie der Unteroffizier aus dem Dschungel von Ecuador stammen heute von den rund 2.000 Soldaten der Legionärsbrigade Rey Alfonso XIII. in Almería knapp 400 Mann aus dem Ausland, rund 20 Prozent der Legionäre. Es sind zu zwei Dritteln Einwanderer aus Ecuador und Kolumbien, die sich freiwillig für die Legion melden. Zu besten Bedingungen: Anders als selbst Soldaten der deutschen Spezialeinheit GSG 9, die ihren vermummten Kopf für 1.300 Euro im mittleren Dienst hinhalten müssen, verdienen Unteroffiziere der spanischen Legion bis zu 2.000 Euro. Und erhalten die spanische Staatsbürgerschaft.

Seit dem Königlichen Dekret 984/1992 sind in der Legion die Barrieren gegenüber Frauen gefallen, die sich als Freiwillige auch bei Spezialeinheiten wie den Fallschirmjägern oder Kampftauchern melden können. Ihre Anrede lautet „Dama Legionaria“, analog zur Ehrenbezeichnung des Legionärs im Stil mittelalterlicher Adliger: Caballero Legionario.

„Ich will wie mein Vater der Legion dienen“, sagt Noelia Sánchez. Die 29-jährige Dama Legionaria hat als beste Frau die diesjährigen Ausdauermeisterschaften der Brigade gewonnen, darunter die Disziplinen 8.000-Meter-Lauf in voller Kampfmontur und Granatenweitwurf. Rund zwölf Prozent beträgt der Frauenanteil der Legion.

Hat sie Bedenken angesichts ihrer nächsten Friedensmission in Afghanistan, für die sie sich freiwillig gemeldet hat? – „Nein“, sagt die Funkerin im Brustton der Überzeugung. „Ich erfülle meinen Dienst an Spanien, wenn der Einsatz befohlen ist, gehorche ich bis zum Tod.“

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Lebenslanger Einsatz

Die lebenslange Zugehörigkeit zur Legion verwirklicht sich in der 1966 gegründeten Vereinigung der „Hermandad Nacional de Antiguos Caballeros Legionarios“ (AACCL). Die Bruderschaft der Legionärskämpfer nimmt ehemalige aktive Soldaten auf sowie Sympathisanten. „Die Legion ist mein Leben“, sagt Joaquín Fiebelkorn, Präsident der AACCL der Vega Baja.

Als Feldwebel war der deutsche Fremdenlegionär vor 40 Jahren im Sahara-Einsatz. Warum er sich mit 72 Jahren weiter in der Legion engagiert? – „Ich habe meinen Eid auf die spanische Fahne geschworen“, sagt der deutsche Resident aus Rojales. „Das gilt hasta la muerte!“

Martin Pérez Maestre ist 82 Jahre alt. Der graubärtige Veteran aus Torrevieja wirkt sehr fit für sein Alter. Viele Jahre hat er im marokkanischen Smara gedient, Ende der 50-er Jahre, für keine 1.500 Peseten Sold, heute neun Euro die Woche. „Sand, nichts als Sand“, erinnert er sich. Jede Kompanie habe ihr Maskottchen gehabt, seien es Ziegen, Maulesel oder auch Affen. „Der Affe hat uns nachts klammheimlich unsere Sandalen vertauscht, die wir unter dem Feldbett abgestellt hatten“, sagt Martin und lacht.

Diego Guisindo (22) ist erst seit einem Jahr bei der Legion. Sein Vater Angel, aufgewachsen in Aachen, hatte sich Ende der 80-er Jahre als Freiwilliger für die spanische Legion gemeldet. Sein Sohn strebt heute die Offizierslaufbahn an. Diego ist just zurück von einem Trainingseinsatz in Frankreich. „Wir üben an der Grenze zu Luxemburg, in verlassenen Dörfern, den Guerilla-Häuserkampf“, erklärt er, „mit Laserwaffen.“ Die ersten zwei Wochen in der Legion, erinnert er sich, das war „das Härteste, was ich in meinem Leben erlebt habe“.

Vielleicht bringt es der Stabsfeldwebel Armando Cruz auf den Punkt, diese besondere Faszination, die die Legion auf Aussenstehende ausübt. „Es gibt keinen logischen Grund, um hier zu sein“, sagt der Offizier, Legionär seit 30 Jahren. „Doch der Geist ist einzigartig!“

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Michael Allhoff

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