175 Jahre Guardia Civil

Im Interview: Antonio José Leal Bernabéu, Kommandant des größten spanischen Hauptquartiers der Guardia Civil mit Sitz in Torrevieja, stellt die Charakteristik der Elite-Polizeieinheit vor, eine der ältesten in Europa, gegründet am 13. Mai 1844

(Longread, Lesezeit 8 min.)

Kommandant Antonio José Leal Bernabéu, wie schaut im Kurzabriss Ihre Laufbahn bei der Guardia Civil aus?

Antonio Leal Bernabeu: Ich trat 2001 in die Akademie ein, 2006 wurde ich zum Leutnant befördert und trat meinen ersten Einsatz in Cáceres an. Später wurde ich einer operativen Untersuchungseinheit in Barcelona zugeteilt, und nach meiner Beförderung zum Kapitän wurde ich zum Chef der Kriminalpolizei von Tarragona ernannt. Als ich zum Kommandanten befördert worden bin, war ich als Kommissar in der UNIFIL-Mission im Libanon und später kam ich nach Torrevieja als Kommandant der Guardia Civil, die ich seit zwei Jahren leite.

Ich habe mehrere Spezialisierungskurse absolviert, darunter Kurse der Kriminalpolizei, Information, Ermittlungsmethodik, Einsatzplanung der Streitkräfte, Prospective Intelligence im Bereich der organisierten Kriminalität mit Spezialisierung auf die Bereiche Untersuchung des Drogenhandels, Koordinierung von Maßnahmen gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität sowie taktische Bekämpfung der Unfallhilfe. Ich habe wenig Zeit für Hobbys, aber wenn, dann treibe ich Sport und erweitere mein Wissen durch mein Jura-Studium.

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Kommandant Antonio José Leal Bernabéu leitet das Hauptquartier der Guardia Civil in Torrevieja. Es ist die größte Kompanie der Guardia Civil in Spanien mit assignierten über 500 Beamten. Foto: Michael Allhoff
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Kommandant Antonio José Leal Bernabéu im Gespräch mit Michael Allhoff.

 

Anlässlich der Feiern des 175. Jahrestages der Gründung veranstaltet die Guardia Civil Tage der Offenen Tür in ganz Spanien.

Wir arbeiten für die Sicherheit der Bürger. Es ist wichtig, dass man uns bürgernah wahrnimmt, als Freund, Helfer und Beschützer. Bei unseren Tagen der Offenen Tür können die Besucher unsere Arbeit näher kennenlernen.

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Nah am Bürger: Beim Tag der Offenen Tür der Guardia Civil Alicante waren Kinder vor allem fasziniert von den Polizeifahrzeugen. Fotos: Michael Allhoff
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Demonstration des Einsatzes eines Polizeihundes bei der Suche nach Sprengstoff.
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Die Comandancia de Alicante der Guardia Civil hat anlässlich des 175. Jahrestages der Gründung der Guardia Civil einen Tag der Offenen Tür in Orihuela Costa veranstaltet.

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Die SEPRONA der Guardia Civil ist die erste Umweltschutzpolizei der Welt. Abgerichtete Greifvögel unterstützen die Seprona.

Was wird dem Publikum geboten?

Da ist einmal die Einheit für Sicherheit im Straßenverkehr, bekannt für ihre Arbeit bei Anzeigen und Bußgeldern, aber noch mehr, weil sie auch in ihrem alltäglichen Dienst Leben retten. Wir stellen die Hundestaffeln des Servicio Cinecológico vor, es sind Einheiten mit Polizeihunden, die speziell ausgebildet sind für die Lokalisierung von Vermissten, Drogen oder Bomben. Auch sind Beamte des TEDAX (Técnicos Especialistas en Desactivaciónde Artefactos Explosivos) vor Ort und sie zeigen ihren Roboter zur Bombenentschärfung. Was noch? Es gibt Vorführungen der Patrouille für Grenzschutz und Steuern. Es kommen Taucher der GEAS, des Grupo Especial Actividades Subacuáticas. Wir bieten eine Ausstellung und einen Dokumentarfilm unser Küstenwache, der SEMAR (span.: Grupo Servicio Marítimo).

 

Die Guardia Civil ist eine der traditionsreichsten Polizeieinheiten in Europa…

Ja, das ist wahr. Die Guardia Civil wurde mittels Dekret erstmalig am 28. März 1844 aufgestellt. Beauftragt mit der Gründung der Einheit war Francisco Javier Girón y Ezpeleta, der II. Duque de Ahumada. Nach einer Reihe von Anpassungen in der Entwicklung gilt der 13. Mai als eigentliches Gründungsdatum, als das königliche Dekret zur Gründung der Guardia Civil verabschiedet worden ist.

Wie charakterisiert sich die Guardia Civil?

Es ist eine Institution, eine Polizeieinheit von militärischem Charakter, ähnlich den italienischen Carabinieri oder der französischen Gendarmerie. Der Vorteil dieser Polizeieinheit ist, dass sie in jedem denklichen Szenarium zum Einsatz kommen kann, sowohl bei bewaffnetenKonflikten, in Kriegssituationen wie auch bei Krisen oder in Friedenszeiten, sowohl innerstädtisch wie auf dem Land. Die Guardia Civil eignet sich für den Einsatz in einer Großstadt wie Torrevieja oder auch in Dörfern wie zum Beispiel Jacarilla. Der große Vorteil der Einheit ist ihre Bürgernähe sowie ein besonderer Ethos, den der Duque de Ahumada begründet hat und der bis heute fortlebt.

 

Die Herausforderung für uns besteht immer darin, den Bürger zu schützen. Seit 175 Jahren ist die Guardia Civil der Schutzschild des Bürgers gegen Kriminalität und der Garant für die Einhaltung des Gesetzes. Diese Information ist wichtig. Das sind die beiden Herausforderungen, bei denen wir weiterhin an vorderster Front für die öffentliche Sicherheit einstehen, sowohl als Schutz des Bürgers vor Kriminalität als auch bei der Gewährleistung der Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit. Letztendlich ist das Gesetz der ultimative Ausdruck der Demokratie.

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Das Sondereinsatzkommando “Grupo de Reserva y Seguridad” der Guardia Civil im Einsatz mit dem Helikopter. Foto: Guardia Civil
Zu Land, zu Wasser und in der Luft: Die Guardia Civil ist in allen denkbaren Szenarien im Einsatz. die Küstenpatrouillenboote sind spezialisiert auf den Schutz der Grenzen im Mittelmeer. Foto: Guardia Civil
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Die Umweltschutzpolizei SEPRONA kontrolliert auf dem Land Ernte-Diebstähle von den Feldern oder Verstöße gegen das Jagdgesetz. Foto: Guardia Civil

Worin besteht dieser besondere Ethos der Guardia Civil?

Das hier ist die Cartilla meines Vaters. Der erste Artikel darin besagt: „1. Die Ehre ist die erste Devise der Guardia Civil; er muss sie fleckenlos bewahren. Einmal verloren, wird sie niemals wieder gewonnen. 2. Der Guardia Civil muss aufgrund seiner Haltung, Besonnenheit, guten Betragens und anerkannter Rechtschaffenheit stets moralisches Vorbild sein.

Die „Cartilla“, das ist ein ethischer Kodex, sehr grundsätzlich und umfassend, der keine Fragen offen lässt. Tatsächlich trug jeder Guardia Civil diese Cartilla in der Gründungszeit ständig bei sich. Gleichwohl, der Erfolg der Einheit in ihrem alltäglichen Einsatz hängt nicht allein von diesem Dokument ab, es ist ein Kompendium an Traditionen und verkörpert eine Art und Weise zu handeln, die über Generationen von Guardia Civiles weiter gegeben worden ist. Die Guardia Civil ist die älteste Polizeieinheit Spaniens, ohne jemals ihren Geist verloren zu haben. In dieser Erfüllung genau identischer Vorgaben, die Guardia Civil ist einzigartig.

Sicherheit im Verkehr: Die Guardia Civil de Tráfico im Einsatz. Foto: Guardia Civil

Außerdem ist es eine international sehr anerkannte Einheit. Ich sage das, weil ich an verschiedenen Zusammenkünften von Europol teilgenommen habe. Man kennt uns im Ausland mitunter besser als im Inland. Es ist eine sehr anerkannte Einheit.

Die Guardia Civil ist in vielen internationalen Szenarien präsent und übt dort verschiedene Funktionen aus, sowohl militärische wie zivile. Ich war zum Beispiel auf einer internationalen Mission im Libanon im Rahmen der UNO im Einsatz und traf dort Carabinieri und Gendarmen, wir haben zusammen gearbeitet in der Ausbildung der libanesischen Polizei. Unsere Arbeitsweise ist recht ähnlich. Dort wirkte ich zusammen mit einem weiterenKommandanten, der als Attaché an die Botschaft in Beirut assigniert war, sowie weiteren Offizieren, die verschiedene Arbeitstreffen unter der Schirmherrschaft des CITCO durchführten, dem Geheimdienst gegen Terrorismus und Organisiertes Verbrechen (spanisch: Centro de Inteligencia contra el Terrorismo y el Crimen Organizado).

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Auch unter Wasser aktiv: Taucher der Einheit GEAS. Foto: Guardia Civil

Auf Torrevieja bezogen, die Guardia Civil ist seit 1846 in Torrevieja, aus dem Jahr liegen uns die ersten Referenzen der Präsenz der Guardia Civil vor. Damals ging es weniger um Tourismus, die Arbeit orientierte sich mehr an den Konflikten, die mit der Salinen-Industrie verbunden waren.

Inwiefern unterscheidet sich die Guardia Civil von der Policía Nacional und der Policia Local?

Der Unterschied ist im Wesentlichen durch die Verteilung der Kompetenzen gekennzeichnet. Die Policía Local hängt von den Gemeinden ab, von den lokalen Verwaltungen, und ihre Kompetenzen sind im Grunde genommen die Ordnung des Verkehrs und die Bewachung öffentlicher Gebäude, unabhängig davon, dass sie mitunter zusätzliche Kompetenzen übernehmen kann, insbesondere in Großstädten in Bezug auf die Bürgersicherheit.

Die Nationalpolizei und die Guardia Civil, das sind beides staatliche Einheiten in Spanien. Die Nationalpolizei ist eine zivile Polizeieinheit und im Prinzip richtet sich ihre Zuständigkeit bezüglich der Bürgersicherheit ähnlich wie bei uns aus, obwohl ihre Strukturen unterschiedlich sind. Es gibt eine Kompetenzverteilung, die Provinzhauptstädte zum Beispiel, alle großen Städte, sind vornehmlich das Gebiet der Nationalpolizei, die kleineren Gemeinden die der Guardia Civil.

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Schutz gegen illegale Einwanderung: Die Guardia Civil hat mittels ihres Radarsystems SIVE die Kontrolle über die Ankunft von Migranten aus Nordafrika. Foto: Michael Allhoff

Die Guardia Civil ist praktisch mit der Überwachung des gesamten Staatsgebiets im Bereich der Bürgersicherheit betraut – mit Ausnahme des Baskenlandes, Kataloniens und der Großstädte. Die Guardia Civil ist eine Einheit, die bereits in ihren Ursprüngen als eine Art Rückgrat für den Staat diente und so ist es nach wie vor. Die Guardia Civil entstand im 19. Jahrhundert, als sich in der Folge verschiedener bewaffneter Konflikte zu Beginn des Jahrhunderts Banditentum und Staßenüberfälle häuften. Als schließlich die Guardia Civil gegründet worden ist, dehnte sich die Struktur des Staates auf jeden Winkel des Landes aus. Zugegeben, die Posten der Guardia Civil bestanden damals oft nur aus einem Gefreiten und zwei Wachen, aber eben dieser Gefreite und diese beiden Wachen waren damals auf dem Land gleichzeitig die einzigen Repräsentanten des Staates. Die Guardia Civil war schon immer ein stabilisierendes Element.

Traditionell war die Guardia Civil für die Überwachung der staatlichen Steuersicherung und der Küsten und Grenzen Spaniens zuständig. Im Bereich der Waffenintervention hatte die Guardia Civil schon immer die alleinige Kontrolle über Waffen und Sprengstoffe.

Dann kontrolliert die Guardia Civil auch den Umweltschutz, unsere SEPRONA ist die die erste Umweltpolizei der Welt. Auf der anderen Seite gibt es Kompetenzen, die zwischen Guardia Civil und Policía Nacional übereinstimmen. Die öffentliche Sicherheit in Torrevieja zum Beispiel ist der Guardia Civil übertragen. Die Sicherheit der Bürger im Stadtgebiet von Orihuela wiederum liegt in der Verantwortung der Nationalpolizei, aber im Rest von Orihuela in der Verantwortung der Guardia Civil. In der Hauptstadt Madrid obliegt die Sicherung des Stadtgebiets der Nationalpolizei, im Rest von Madrid der Guardia Civil.

Anderseits übt die Guardia Civil die Funktionen der Kriminalpolizei auf dem Meer aus, und dazu haben wir nicht nur Schnellboote, sondern auch Patrouillenschiffe, die in Missionen gegen Menschenhandel, illegale Einwanderung und Drogenhandel im Mittelmeer oder im Senegal im Einsatz sind. Spanien ist die vorderste Grenze Europas, und die Guardia Civil ist für deren Bewachung zuständig, auch mittels Flugzeugen und Helikoptern.

Einsatz-Staffel des Servicio de Montaña der Guardia Civil: Als erstes vor Ort bei der Bergrettung. Foto: Guardia Civil
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Taucher der GEAS im Einsatz. Foto: Guardia Civil

 

Dass Torrevieja ein großes Hauptquartier der Guardia Civil unterhält, allein das wird sicherlich Kriminelle abschrecken…

Die Kompanie von Torrevieja ist die größte Kompanie in Spanien. Wir haben mehr als 500 Beamte in dieser Kompanie designiert. Die Kompanie von Torrevieja hatte schon in der Vergangenheit eine überdurchschnittliche Arbeitsbelastung zu erfüllen. Mit Erfolg! Spätestens seit 2011 verzeichnen wir einen überdurchschnittlich rückläufigen Trend in der Kriminalstatistik, in den letzten zwei Jahren ist der Rückgang bei Delikten sogar noch ausgeprägter. Darüber hinaus hat sich der Klärungsindex erhöht, das heißt, es gibt unterm Strich weniger Verbrechen, und diejenigen, die vorkommen, werden immer besser aufgeklärt.

Gleichzeitig verzeichnen wir einen Rückgang in der Schwere der Verbrechen. Es gilt, dass es sich bei den Verbrechen, die durch polizeiliche Aktivitäten verhindert werden können, grundsätzlich um Eigentumsdelikte (Raub, Diebstahl und Beschädigung) handelt, da häusliche Gewalt mittels polizeilicher Präsenz schwer zu verhindern ist. Wir können schließlich nicht jedem Haushalt einen Polizisten zuweisen. Diese Art der Kriminalität wird wenn, dann durch Bildungs- und Sozialpolitik verhindert. Doch von den Verbrechen, die durch Polizei-Einsätze verhindert werden können, wie gesagt meist Eigentumsdelikte, sind die meisten deutlich zurückgegangen. Das ist die wichtigste Tatsache. Das sind die statistischen Daten, die zählen.

Ich war Zeuge, als in einer Villa in der Nachbarschaft der Alarm auslöste. Ich habe die 062 angerufen und in kaum fünf Minuten war eine Patrouille der Guardia Civil vor Ort…

Ja, natürlich. Unsere Reaktionszeiten sind sehr gut. Vielleicht etwas verzögert in den Sommermonaten Juli und August, aufgrund von Verkehrsstaus, es dauert dann etwas länger, ein Problem zu lösen. Aber im Allgemeinen sind die Patrouillen, die wir haben, das Personal, das wir haben, sehr erfahren und lösen die Vorfälle im Alltag mit Leichtigkeit.

Die 062 ist also eine gute Nummer, um die Guardia Civil zu kontaktieren?

Ja, wir haben unsere eigene Telefonzentrale in Torrevieja, um Vorfälle zu verfolgen. Dort sitzt ein Schichtleiter, der permanent 24 Stunden lang die Notfälle unmittelbar koordiniert.

Die 062 wird in Alicante verabfolgt, und von dort aus leiten sie die Information weiter. Somit ist die 062 ein korrekter Kanal, denn von Alicante aus können die Wache habenden Guardias den Alarm via Funk direkt zu der Patrouille weiterleiten, die am nächsten vor Ort ist oder nach Torrevieja vermitteln, wo ein Funkoffizier rund um die Uhr 24/7 im Einsatz ist.

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Kommandant Antonio José Leal Bernabéu erklärt beim Interview die Applikation “AlertCops”: Die App spart Zeit, ist GPS-lokalisiert und hilft uns, schnell zu helfen!” Foto: Michael Allhoff

Existiert ein weiterer Kanal, um Notfälle zu melden?

Ja, das ist die Anwendung AlertCops des spanischen Innenministeriums. Die Applikation für das Smartphone existiert seit einigen Jahren und wir arbeiten daran, die Zahl der Nutzer dieses Online-Systems kontinuierlich zu erhöhen. Das System besticht durch seine intuitive Handhabung sowie die Schnelligkeit, die es im Ernstfall garantiert. Die Applikation beinhaltet auch einen automatischen simultanen Übersetzer.

Wenn Sie sich registrieren, ist das Gute daran, dass die App eine Reihe von Optionen via verschiedener Tastenkombinationen bietet. Zum Beispiel, wenn Sie Zeuge eines Raubüberfalls werden und Sie hier diesen Button drücken, wird sofort eine Meldung in Alicante ausgelöst. Weil Sie ja bereits registriert und identifiziert sind, werden Sie nicht mehr nach personenbezogenen Daten abgefragt, das System kennt ihren GPS-Standort. Die App AlertCops dient sowohl der Guardia Civil wie der Policia Nacional. Wenn Sie in Madrid sind, werden Sie automatisch an die Nationalpolizei vermittelt. Das Programm erledigt das selbstständig. Sie müssen nicht mehr überlegen, wen Sie anrufen sollen. Sie müssen sich nicht erneut identifizieren, die Anwendung weiß, wer wir sind. Sie müssen die Adresse nicht mitteilen, denn der wachhabende Guardia weiß aufgrund der integrierten Geolokalisierung, wo wir sind. Das spart sehr viel Zeit! Wenn Sie aus welchen Umständen auch immer nicht laut sprechen können, interagiert das Programm über einen Chat mit dem Operator der Polizei. Dann kann die Guardia Civil in Alicante direkt eine Patrouille schicken. Die Polizei weiß, wohin sie muss, mit wem Sie Kontakt aufnehmen muss und was konkret passiert ist. AlertCops ist ein sehr effizientes Werkzeug.

Das wirkt sehr innovativ, ich kenne kein vergleichbares Programm in Deutschland…

Die App steht kostenlos in zehn Sprachen, auch Deutsch, zum Download bereit, für IOS oder Android. Die App bietet weitere Vorteile, für ältere Menschen und für Kinder. Da ist die Funktion „Beschützer“ (spanisch: Guardián). Man kann seinen Standort mit drei Personen, den Beschützern, teilen. Das ist hilfreich für den Fall einer vermissten Person, es ermöglicht, den Standort dieser Personen in Echtzeit zu erfahren. Das spart viel Aufwand und viele Ressourcen sowie Ärger für die Angehörigen. Denn wenn eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt desorientiert ist, kann sie dies direkt von wo auch immer im gesamten Landesterritorium mitteilen, und wir werden sie schnell anhand ihrer Koordinaten finden.

Eine vermisste Person erfordert nämlich meist ein sehr kompliziertes polizeiliches Management. Sobald eine bestimmte Zeit vergangen ist, weiß niemand mehr, wohin die Person gegangen sein könnte oder wo sie die Orientierung verloren hat.

In der Anwendung „AlertCops“ werden durch direkten Zugriff Vorfälle wie sexuelle Aggression, Diebstahl, Raub, Vandalismus, Schlägerei etc. dargestellt. Man muss sich nur einmal registrieren, das war´s. Außerdem ist das Gute daran, dass ein Bürger mit dieser App den Unterschied zwischen Guardia Civil und Policia Nacional nicht kennen muss. Viele wissen meist nicht, an wen sie sich wenden müssen. Sie müssen es auch nicht wissen. Ich drücke hier zum Beispiel diesen Button und das Programm leitet mich automatisch zu der Einheit weiter, die kompetent ist. Die App hat einen eingebauten Übersetzer, das heißt ich kann in meiner Sprache schreiben und die Polizeizentrale empfängt meine Kommunikation auf Spanisch.

(Es klopft an der Tür, ein Offizier tritt mit der Nachricht ein, dass eine Person in Callosa del Segura vermisst wird, der Kommandant ordnet eine Mission mit Polizei-Suchhunden an…

O-Ton Leal Bernabéu: “Man muss klären, ob sie einen Hund für lebende Menschen oder Leichen suchen, es sind unterschiedlich ausgebildete Hunde….)

Was ist passiert?

Gestern abend ging die Nachricht durch den Ort, dass jemand vermisst wird, der in einen Graben gefallen sein könnte. Da Verdacht besteht, dass jemand in den Fluss gefallen sein könnte, wir aber nicht wissen ob das stimmt und auch keine Anzeige vorliegt, aber jemand einen Schuh gefunden hat, deshalb müssen wir den Fall untersuchen.

Die Costa Blanca charakterisiert sich durch den Residenzialtourismus. Stellen die ausgedehnten Wohnviertel mit ihrer Einwohnerschaft von so verschiedenen, insgesamt über 100 Nationalitäten eine besondere Herausforderungen für die Arbeit der Guardia Civil dar?

Es stimmt, dass es in einem geografischen Gebiet wie diesem, das von Einfamilienhäusern geprägt ist, es manchmal schwierig sein kann, alles zu überwachen oder herauszufinden, was die korrekten Adressen für einen Einsatz sind. In diesem Fall macht es uns die AlertCops-Anwendung sehr einfach, zu denKoordinaten zu gelangen. Nun, da kann auch der Bürger helfen, wenn er die GPS-Koordinaten seines Wohnsitzes referenziert. Oder die Anwendung AlertCops auf seinem Handy hat, die es uns mittels GPS ermöglicht, schneller zum Einsatzort zu finden.

An der Costa Blanca leben viele Nationalitäten zusammen, es hat sich eine sehr kosmopolitische Gesellschaft gebildet. Zu Boom-Zeiten hat diese Küstenregion auch organisierte Kriminalität angezogen. Meines Wissens haben die staatlichen Sicherheitskräfte viele Mittel eingesetzt, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten.

Ja, in der Tat. Hier hat die Guardia Civil eine herausragende Anstrengung unternommen, eine beachtliche Investition in Mittel der Kriminalitätsbekämpfung, sowohl an materiellen wie personellen Ressourcen. Die Mannschaftsstärke dieser Einheit in Torrevieja ist sehr gewachsen, die Guardia Civil hat sich an die Erfordernisse angepasst und eine ganze Reihe von Prozessen gestartet. Tatsächlich ist es die erste Kompanie in Spanien, die unter die Leitung eines Offiziers im Rang eines Kommandanten gestellt worden ist. Und es geht natürlich nicht nur darum, ein maximales Volumen an Personal und technischen Ressourcen bereit zu stellen, es geht auch darum, diese optimal zu verwalten. Je besser die Ressourcen verwaltet werden, desto besser werden die Resultate in der Gewährleistung der Bürgersicherheit sein, sowohl objektiv als auch in der subjektiven Wahrnehmung. Und nun ja, was seinerzeit über Torrevieja gesagt worden ist, das ist vorbei! (Anm. d. Red.: Torrevieja machte vor zehn Jahren Schlagzeilen in der Presse als die Großstadt mit der angeblich höchsten Verbrechens-Statistik). Heute haben wir keine sehr sonderliche Delinquenz und wir haben auch keine Hinweise auf organisierte Bandenkriminalität.

Die Guardia Civil ist stets im Einsatz, ob es sich um Verkehrsdelikte handelt, die Festnahme eines gewöhnlichen Diebes oder um die Zerschlagung international organisierter Banden…

Korrekt! Für organisierte Kriminalität haben wir die am Besten spezialisierten Sonderermittlungseinheiten und Spezialeinsatzkommandos. Sollten wir den Verdacht auf Umtriebe einer komplexen kriminellen Gruppe schöpfen, werden die erforderlichen Mechanismen der Kooperation verschiedener Einheiten aktiviert. Es rücken Sondereinheiten als Verstärkung an und verrichten ihre Arbeit.

In dieser Küstenregion, weil es hier sehr ausgedehnte Urbanisationen gibt, in denen sich die Nachbarn meist nicht einmal persönlich kennen, da gestaltet sich die Bürgerkooperation mitunter schwierig. Den Einwohnern mögen seltsame Vorgänge erst gar nicht auffallen, weil sie die alltäglichen Lebensroutinen ihrer Nachbarn nicht kennen. Doch heutzutage, angesichts der etablierten internationalen Kooperation und mit den uns zur Verfügung stehenden Ermittlungsmitteln sowie der Spezialisierung der verfügbaren Einheiten, da ist die Polizeifunktion sehr fortgeschritten

Wir als Einheit für Bürgersicherheit sind da die erste Stufe in der Eskalation möglicher Maßnahmen. Wir kontrollieren die gesamte Vega Baja, hier gibt es sechs Hauptquartiere, das sind Guardamar del Segura, Pilar de la Horadada, Callosa de Segura, Torrevieja, Almoradí und Dolores sowie zwei einfache Posten der Guardia Civil, nämlich Jacarilla und San Miguel de Salinas.

Darüber hinaus verfügt die Kompanie von Torrevieja über ein Sondereinsatzkommando namens USECIC, das ist eine Anti-Riot-Einheit, und eine spezielle Interventionstruppe für Einreisen, Durchsuchungen und Festnahmen von Personen, die etwas eigen sind, um es mal so zu auszudrücken. Also eine Reserveeinheit, um gegebenenfalls die Sicherheitsgarantien für den Bürger zu erhöhen. Dann haben wir die Steuerpatrouille und den Grenzschutz, zwei Patrouillen der Umweltpolizei SEPRONA, vier Teams der Kriminalpolizei und zwei Patrouillen für Waffenkontrolle. Das heißt, wir verfügen über eine sehr große Vielfalt an Sondereinsatzkommandos, die praktisch alle Kompetenzen der Guardia Civil umsetzen.

Abgesehen davon, sollten wir Kenntnis von Verbrechen erlangen, die eine umfassendere Ermittlung erfordern, hat jedes Quartier seine eigenen Ermittlungsgebiete, mit Beamten, die bei gewöhnlichen Verbrechen aktiv werden. Sollten diese Ermittlungen organisierte Kriminalität im Fokus haben, werden sie gemäß unser internen Arbeitsprotokolle an die Kriminalpolizei weitergeleitet. Wenn diese organisierte Kriminalität die Region überschreitet oder komplexere Parameter aufweist, würde sie an die Kriminalpolizeieinheit von Alicante übertragen, die zuständig ist für die gesamte Provinz.

Reiter-Staffel der Guardia Civil. Foto: Guardia Civil
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Sprengstoff-Experten der Einheit TEDAX bei der Entschärfung von Bomben. Foto: Guardia Civil

Darüber hinaus, sollte sich zu einem gegebenen Zeitpunkt die Ermittlungskapazität als unzureichend erweisen, sind da noch die „Unidad Central Operativa“, zuständig für organisiertes Verbrechen, und die Sondereinsatzkommandos (spanisch: Unidad Central Especial) gegen Terrorismus. Diese Einheiten sind immer mit der Observation beschäftigt.

Genauso verhält es sich mit den Einsatzkräften. Wir haben hier unsere kleine Interventionseinheit, aber wenn es zum Beispiel ein größeres Problem gibt, dann haben wir eine weitere Interventionseinheit in Alicante. Abgesehen davon, wenn sich die Situation komplizierter gestalten sollte, dann kommt die Reserve- und Sicherheitsgruppe zum Einsatz (spanisch: Grupo de Reserva y Seguridad), die über das gesamte spanische Territorium verteilt arbeitet.

Last not least, die Guardia Civil arbeitet eng vernetzt mit europäischen Polizeibehörden zusammen…

Korrekt! Aufgrund der Gegebenheiten dieser geographischen Region kommt es vor, dass uns andere Staaten um Amtshilfe ersuchen, wenn sie einen vor ihrer Landesjustiz flüchtigen Kriminellen suchen. Und Tatsache ist, dass wir diese Kriminellen in der überwiegenden Zahl der Fälle relativ einfach und schnell dingfest machen.

Da ist zum Beispiel der Fall der Verhaftung in Torrevieja des belgischen Justizflüchtlings, der Raubüberfälle mit extremer Gewalt verübt hatte. Die Presse hat kürzlich darüber berichtet, nachdem die geplante Festnahme von Europol und Eurojust koordiniert worden war. Obwohl der Staatsanwalt und die belgische Justiz davon ausgingen, dass es sehr schwierig werden würde, den Mann zu finden und zu verhaften, weil er eine aalglatte und sehr schwer fassbare Person ist, hat ihn die Guardia Civil von Torrevieja in nur einem Tag lokalisiert und verhaftet.

Mehr lesen:

www.guardiacivil.es

© Michael Allhoff | AlphaMedia Comunicación

#GuardiaCivil #Spanien #Sicherheit

 

2 thoughts on “175 Jahre Guardia Civil

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