Fest der Fischer

“Viva la Virgen!” – Wie die Fischer von Torrevieja ihre Schutzpatronin feiern – die Virgen del Carmen

Pedro Carmona steht am Ruder seines Kutters „Pedro Loli“. Es ist der große Festtag für den Fischer, der „Día de la Virgen del Carmen“ am 16. Juli, der Tag zu Ehren der Schutzpatronin der Seefahrer. „Sie hat mich auch in schwierigen Momenten nie verlassen“, sagt der Vorsitzende der “Cofradía de pescadores”, der Fischereigenossenschaft von Torrevieja.

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Manuel „El Tabardo“ trägt die Virgen im Herzen, in guten wie in schlechten Zeiten. Die Virgen del Carmen hat ihn sein Leben lang begleitet, von dem Tag an, als er vor 50 Jahren als Schiffsjunge an Bord des Kutters „Rosa María Juárez“ ging, auch später nie, als er sich über die Jahre hinweg hocharbeitet hat – vom Fischer über den Job als Maschinist bis hin zum Steuermann.

Sechs Fischkutter von einst über 40 Fischerbooten dümpeln heute noch im Hafen von Torrevieja. Die lokalen Fischer haben die Konkurrenz der internationalen Trawler zu spüren bekommen – weniger Fang, konkurrenzlos günstige Preise für Fisch im Supermarkt. Während sich im Hafen an der Mole  Tausende von Menschen sammeln, warten die Fischer an Bord geduldig auf die Ankunft der Marien-Ikone.

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Heute fahren sie ihre „Virgencita“ aus, zum Blumenopfer auf dem Meer. Die Meeres-Prozession bei Sonnenuntergang im Hafen von Torrevieja offenbart sich als Höhepunkt des Festkalenders der Strandstadt im Süden der Costa Blanca – ein romantisches Spektakel mit sommerlichem Ambiente. Für die Fischer und ihre Familien, für die Überzahl der älteren Torrevejenses, ist der „Día de la Virgen del Carmen“ eine tief empfundene religiöse Andacht.

In der Kirche Inmaculada Concepción

Das Gotteshaus ist bis auf den letzten Stehplatz voller Menschen. Neben dem Altar harrt die blau gewandete Jungfrau mit ihrem Heiligenschein aus Gold, festlich geschmückt mit weißen Lilien. Der Stadtpfarrer liest die Predigt. Frauen fächeln sich Luft zu – ihre Fächer wedeln im schnellen Rhythmus hin und her, als wollten sie der Liturgie den Takt vorgeben.

Irgendwann erkling das feierlich intonierte „Magnificat“: „Magnificat anima mea Dominum. Dispersit superbos mente cordis sui. Deposuit potentes de sede et exalvit humiles…“ Meine Seele preist den Herrn. Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen… Die Botschaft des Lukas-Evangeliums ist ein revolutionärer Grundtext des Christentums.

„Viva la Virgen!“

Vor der Sakristei sammeln sich die Fischer zur Prozession, gekleidet in weißen Polo-Shirts zu schwarzen Hosen. Da ist José Torres „El Zamora“. Pedro „El Loro“. José Gómez Pamies „El Padrecico“. Und Vicente „El Peinao“. Insgesamt 72 Fischer als „costaleros“, als Träger der Marienfigur auf ihrem Thron, schultern die tonnenschwere Figur und tragen sie vom Altar der Kirche in den Hafen. Durch ein Spalier von Tausenden von Zuschauern, angefeuert von den Rufen „¡Viva la Virgen! ¡Vamos con ella!“ Hoch lebe die Jungfrau. Lasst uns mit ihr gehen…

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Die Schwerstarbeit bei 30 Grad Celsius im Schatten ist nur nüchtern zu machen. Die Fischer wissen das – spätestens seitdem sie einmal das traditionelle Festessen der Fischereigenossenschaft, der „Cofradía de Pescadores“, mit Rotwein und hochprozentigem Orujo auf den selbigen Tag der Prozession gelegt hatten. Schwitzend und schwankend schleppten sie damals den „trono“ zum Kutter, taumelnd wie ein Schiff auf hoher See. Es ging glimpflich aus: „¡Gracias a la Virgen!“, meint José „El Zamora“ und schlägt nachträglich noch einmal erleichtert drei Kreuze.

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Die Schutzpatronin der Seefahrer wird als Hochfest im Orden der Karmeliten seit 1386 gefeiert. Der Legende zufolge opferten bereits die Römer der Göttin Isis Blumen auf dem Wasser. Als „Stella Maris“, lateinisch für Stern des Meeres, wurde die Jungfrau Maria unter Kirchenvater Hieronymus angerufen, als rettender Stern, der den Seefahrern die Richtung weist.

Die Sonne senkt sich über die Salinen. Ein Kran hievt die Virgen an Bord. Auf dem Wasser tuckern Dutzende von Jachten, um das Blumenopfer mit zu erleben. Am Kai, mit der rechten Hand am Herz, singen die Fischer ihr „Salve Rociera“. Dios te salve, María. Gott errette dich…

Spektakel auf dem Meer

Vor der Kulisse der Salzmole, an der ein kirchturmhoher Frachter wieder Salz lädt, drehen Fischer und Freizeitskipper ihre Kreise. Bei Sonnenuntergang geht es im Hafen zu wie zur Rushhour. Nebelhörner tuten. Schiffssirenen heulen auf.

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Die Fischer haben einen zärtlichen Kosenamen für die Jungfrau vom Berg Karmel. „Nuestra virgencita“ sagen sie. “Unsere kleine Jungfrau…”

Text & Photos: Michael Allhoff | AlphaMedia Comunicación

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