Von Kuba, Salz und Liebe

Liebe und Melancholie, Lebenslust sowie ein Hauch von Frivolität: Kein anderes Lebensgefühl als das der Habaneras spiegelt so real die unermessliche Sehnsucht und Sentimentalität der Geschlechter wider, aber auch den Schmerz und das Heimweh der Matrosen nach ihrer Hafenstadt Torrevieja.

„Frag‘ die Sterne, wenn sie mich des Nachts weinen sehen, frag‘ sie, ob ich, um Dich zu lieben, die Einsamkeit suche… Zweifel nicht daran, dass ich Dich liebe, denn ich sterbe für Dich in der Ferne… Zweifel am Himmel und an der Erde, zweifel an allem, aber nicht an mir.“ (Habanera „Pregunta las estrellas“) 

Es waren die Seefahrer des 19. und 20. Jahrhunderts, die in den spanischen Überseekolonien – in Kuba und Puerto Rico, in Mexiko und auf den Antillen – exotische Melodien kennenlernten, sie mit eigenen Texten unterlegten und damit die Tradition der Habaneras begründeten. Von Torrevieja aus segelten die Schiffe, beladen mit Salz und Dachziegeln, in die Neue Welt, und sie kehrten zurück mit Zucker, Kakao, Kaffee und Tabak. 

Und den Habaneras. „Die Habaneras sind die Wiegenlieder Torreviejas.“ So definierte der verstorbene Poet Ricardo Lafuente, Ehrenbürger Torreviejas und Spaniens berühmtester Habaneras-Komponist, die Volksieder im langsamen Zweiviertel-Takt. Der Altmeister hat im Laufe seines Lebens 130 Habaneras komponiert. Wie das Rollen der Wellen auf hoher See, wie ein langer Kuss mit wiegenden Schenkeln: Weit stimmungsvoller als britische Shantys oder deutsche Seemannslieder verkörpern die Habaneras in ihrer heute 200-jährigen Tradition Romantik pur. Buenos Aires zelebriert den Tango. Cali feiert sich als die Hauptstadt der Salsa und Havanna hat den Son. Doch die Hafenstadt Torrevieja kultiviert die süße Nostalgie der Habaneras. 

Mit erstaunlichem Erfolg. Zum 65. Habaneras-Festival bis 28. Juli hat die Boom-Town an der Costa Blanca über 1.000 Chorsänger eingeladen – aus Moskau und Peking, aus Ungarn, Ecuador, den Philippinen, aus Frankreich, Argentinien, Griechenland und sogar den USA. Rund eine halbe Million Euro investiert das Rathaus Jahr für Jahr in den weltweit größten Chorwettbewerb am alten Salzverladehafen „Eras de la Sal“. 

„Wir haben keine typischen Tänze oder Trachten in Torrevieja, aber wir haben diese Musik“, konstatiert Gabriel Samper, Präsident des Chors „Francisco Vallejos“, dem ältesten Habaneras-Chor der Stadt, gegründet 1954. Der Rechtsanwalt singt seit 25 Jahren im Chor, seit seinem achten Lebensjahr. Wie viele Einheimische: Torrevieja zählt vier Chöre mit 300 Mitgliedern, jeder mit eigenem Orchester aus Gitarren, Lauten und Bandurien. 

Die Stadt hat sogar einen eigenen Stadtrat für Habaneras, der die Tradition lebendig halten soll. Und die zieht auch ausländische Residenten in ihren Bann. Luzie Daub zum Beispiel: „Habaneras sind so voller Gefühl, so herzlich“, schwärmt die Deutsche, Chorsängerin seit 1999. Die Lieder würden von der Liebe handeln, von der Einsamkeit in der Fremde und der Sehnsucht nach zu Hause. „Das ist wunderschön,“ sagt sie, „wenn man sich darauf einlässt, bringt es einen sogar zum Weinen.“

Das Habaneras-Festival wurde 1955 gegründet, in einer schwierigen Zeit für Torrevieja. Aufgrund der Automatisierung der Salzproduktion wurden viele Salinenarbeiter entlassen. Zur gleichen Zeit stellte die Handelsmarine Torreviejas Schiffe außer Dienst. Torrevieja erlebte eine tiefe Krise. Es war der Journalist und Politiker Juan Aparicio López, der die kraftvolle Vision realisierte, ein Gesangs-Festival zu organisieren, dass alle Torrevejenses zusammenführen und begeistern sollte. Der Chorwettbewerb der Habaneras wurde zum identitätsstiftenden Charaktermerkmal der Stadt, und Torrevieja ist heue im Ausland bekannter wegen seiner Habaneras als wegen der Strände.

Habanera “Torrevieja” von Ricardo Lafuente

Es Torrevieja un espejo donde Cuba se mira y al verse suspira y se siente feliz. Es donde se habla de amores entre bellas canciones que traen de Cuba su alma y sentir.  Entre las olas tatuadas vienen las habaneras que son de La Habana mensaje de amor.  Llegan con suaves caricias; a la vez que la brisa besa la playa con una canción. ¡Ay, Torrevieja divina! ¡Ay! Con tu cielo sin par, eres embrujo canto de amores, plácido sueño para el que busca soñar…junto al mar.“ 

(Ricardo Lafuente Aguado) 

„Es ist Torrevieja ein Spiegel, in dem Kuba sich schaut und beim Anblick seufztund sich glücklich fühlt. 

Es ist, wo von Liebschaften die Rede ist, in schönen Liedern, die die Seele und das Gefühl Kubas vermitteln. 

Auf gischtenden Wellen kommen die Habaneras herbei, sie sind ein Liebesgruß aus Ha- vanna. 

Sie kommen mit sanften Zärtlichkeiten, während die Brise den Strand küsst mit einem Lied. 

Ay, himmlisches Torrevieja! Ay! Mit Deinem Himmel ohne- gleichen bist Du ein Zauber, ein Gesang der Liebe, ein schwelgerischer Traumfür den, der träumen will…am Meer.“ 

Information

Programm im Internet:

http://www.habaneras.org

Konzerte täglich ab 23 Uhr in den Eras de la Sal

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