“Ein sehr cooles Jahr!”

Im Interview: Carlos Torrado, Geschäftsführer des Real Club Náutico de Torrevieja und Präsident des Segelverbandes des Landes Valencia

Zur Person: Carlos Torrado ist leidenschaftlicher Segler, bereits seitdem er als Kind mit acht Jahren im Optimist an ersten Segelwettkämpfen auf dem Mittelmeer vor der Costa blanca teilgenommen hat. Heute segelt er Hochsee-Regatten. Gebürtig aus Madrid, wohnhaft in Torrevieja: Carlos Torrado ist langjährig erfahrener Geschäftsführer des Real Club Náutico de Torrevieja (RCNT) und seit 2018 ebenfalls Präsident des Segelverbandes des Landes Valencia (spanisch: Federación de Vela de la Comunidad Valenciana, FVCV).

Als Präsident des Segelverbandes von Valencia engagiert sich Carlos Torrado für den Nachwuchs-Sportler beim Segeln.

Carlos Torrado hat sein Leben lang das Segeln auf Wettkampfebene unterstützt und sich um die Förderung und Organisation des Jugend- und Kindersegelns gekümmert. Der Präsident des FVCV, der sich besonders für den Basis-Sport, das Jollensegeln und den Zugang junger Generationen zum Segelsport engagiert, war für das Wettkampfsegeln des Segelverbandes des Landes Valencia verantwortlich. Er ist Vorsitzender der spanischen Optimist-Klasse und vorsitzender von AECIO, der “Asociación Española Clase Internacional Optimist”.  Derzeit arbeitet er als Koordinator des Nationalen Plans für die Entwicklung des Jugendsegelsports des Königlichen Spanischen Segelverbands (spanisch: Real Federación Española de Vela, RFEV).

Ihn charakterisiert seine Erfahrung im nautischen Management. Mit seinem Master in Senior Business Management und spezialisiert auf die Verwaltung von Yachthäfen war Torrado vier Jahre lang stellvertretender Direktor des Jachthafen Marina International, seit knapp 30 Jahren ist er Manager des RCNT. Er war Präsident des Nationalen Komitees für die Vergabe des touristischen Gütesiegels an Jachthäfen, Gründer und Manager des Verbandes der Nautik-Clubs des Landes Valencia und ist nach wie vor Manager der spanischen Vereinigung der Verbände von Nautik-Clubs, der “Confederación Española de Asociaciones de Clubes Náuticos” (CEACNA).

Carlos Torrado (re.) bei der Präsentation des “XIII. Trofeo Euromarina Optimist”, einer der drei größten Optimist-Regatten in Europa.

Wie ist das Jahr 2019 für den RCNT verlaufen?

Das Jahr 2019 war für den Real Club Nautico de Torrevieja ein sehr gutes Jahr. Unsere Rudermannschaft hat bei den spanischen Nationalmeisterschaften erneut Medaillen gewonnen. Unsere Junioren-Mannschaft ist auf das Podium zurückgekehrt.  Und die Mannschaft der Veteranen des RCNT ist seit zehn Jahren ununterbrochen unter den besten drei in Spanien in der Klasse “Banco Fijo”. 

Neu integriert haben wir die Sektion des angepassten Ruderns für Sportler mit eingeschränktem Bewegungsvermögen. Wir haben eine eigenen Trainer speziell dafür eingestellt und setzen alle Mittel ein, damit diese Sparte wächst. Es ist gleichwohl schwierig, Menschen im Rollstuhl direkt anzusprechen und dafür einzuladen, allein schon wegen der Datenschutz-Gesetzgebung. Doch wir wollen, dass junge Menschen zwischen 16 und 35 Jahren an Ruder-Wettkämpfen teilnehmen können.

Gruppenbild mit jungen Nachwuchsseglern des Landes Valencia.

Zum Thema Segeln: Wir haben im Real Club Náutico von Torrevieja zwei Vize-Weltmeister, nämlich Alejandro Pareja und Asuncion Roca, die sehr gute internationales Ergebnisse erzielt haben. In der 49er-Klasse ist es das erste Mal, dass wir ein Boot in dieser olympischen Kategorie am Start haben. Immerhin, wir sind die Nummer Drei der Nationalmannschaft geworden, als spanische Meister in dieser Kategorie, was aufgrund des großen Startfeldes in der Klasse recht kompliziert ist.

Ein Highlight vergangenes Jahr war unsere Segelsport-Gala, die so genannte “Gala Grimpola”. Last not least hat der RCNT an den landesweiten Veranstaltungen zum 500. Jahrestag der Ersten Weltumsegelung von Magellan teilgenommen. Wir haben das Jubiläum im Club bekannt gemacht, eigens eine Optimist-Regatta für Kinder organisiert. Wir wollten diese  Meisterleistung der Seefahrt unter Seeleuten bekannt machen. Sportlich gesehen war es für den Real Club Nautico de Torrevieja ein sehr cooles Jahr.

Welche Projekte erwarten den Real Club Náutico de Torrevieja in 2020?

Wir freuen uns immer noch auf die Genehmigung zur Reform, Renovierung und Modernisierung unserer Einrichtungen. Die Lizenzen für die Jachthäfen im Land Valencia werden erneuert. Doch da letztes Jahr ein Jahr der politischen Wahlen war, und selbst die spanische Regierung sich erst neu bilden musste, war es leider auch ein Jahr, in dem man ein wenig ohne Neuigkeiten warten musste. 

Im Übrigen ist der Yachtclub im sozialen Umfeld sehr aktiv, wir halten unsere seine wirtschaftlichen Ergebnisse konstant gut aufrecht und wir haben alle Möglichkeiten, uns den Projekten zu stellen, sobald die Landesregierung von Valencia uns den Weg frei macht.

Was ist dann geplant??

Wir müssen die Management-Systeme des Clubs modernisieren, insbesondere den Sportteil. Wir wollen ein cooles, cooles, cooles Wassersportzentrum errichten! Mit dem Ziel, dass viele Menschen kommen, die Wassersportarten lieben und hier die Gelegenheit haben, Wassersport zu betreiben.

Woraus besteht das Wassersportzentrum?

Auf dem Gelände des Real Club Náutico, vom Clubhaus bis zum Parkplatz, werden wir einen größeren Swimming-Pool bauen, wir wollen einen Schwimmverein eröffnen, und dann das ganze Jahr über kontinuierliche Aktivitäten mit Segeln, Rudern und Kanufahren anbieten. Das Fitness-Center des RCNT wird auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. 

Vor allem wollen wir uns auf ein Konzept konzentrieren, das sich Family Sports nennt. Das wird ein Ort sein, an dem man mit seinem Partner und mit seinen Kindern hinkommen kann, wo der eine zum Beispiel Rudern trainiert, während der andere Segeln geht. Es wird letztendlich ein Treffpunkt für Freunde sein, für die Familie, für Treffen mit Sportlern…  Kein Fitnessstudio, wo man nur kurz hingeht, seine Trainingseinheiten absolviert, duscht und wieder geht, sondern ein Ort, wo man den Tag verbringt. Solch ein Sportzentrum mitten im Zentrum von Torrevieja, nun ja, das ist ein interessantes Angebot! Und ja, der Real Club Náutico de Torrevieja behält seine Politik der offenen Tür bei, sowohl für Mitglieder als auch für Nichtmitglieder.

Welche Events stehen für 2020 auf dem Programm?

Da sind vier herausragende Sportevents zu nennen. Im Januar findet der “XIII. Trofeo Euromarina Optimist” statt. Das ist eine internationale Regatta in der Klasse Optimist, zu der sich bereits 400 Kinder und Jugendliche aus 29 Ländern registriert haben. Die Trophy Euromarina Optimist gehört zu den wichtigsten Regatten im Jollensegeln in Europa. Dann haben wir die olympische Segelwoche, die in diesem Jahr auch 400 Segler vereint. Wir wollen diesen Wettkampf weiter promoten. Bei der “Semana Olímpica” kommen Segler aus zehn Ländern.  Im Mai organisieren wir die “IV. Internationale IOM-Funkkontroll-Regatta” mit rund 60 Teilnehmern.  Bei unser Offenen Angelweltmeisterschaft (spanisch: Open de Pesca) werden sechs Länder mitmachen, über 100 Angler sind dabei.

Alle diese Veranstaltungen sind ausgebucht, es gibt Wartelisten. Wir wollen sehen, wie wir diese Events noch größer und bekannter machen können, aber wir werden die Qualität beibehalten.

Sie nennen die Jachtclubs auch Mehrzweck-Sportzentren des Meeres…

Ja, das ist richtig! Wenn ein Bürger von Torrevieja, Orihuela oder einer Stadt in der Vega Baja ins städtische Schwimmbad oder auf einen Fußballplatz geht, zahlt das Rathaus dafür. Und die Elektrizität und das Wasser, die Überwachung, all das ist einfach da. Doch wenn jemand einen Wassersport ausüben will, gibt es keine kommunale Einrichtung, kein Sportzentrum, in dem man diesen Sport ausüben kann. Du musst Mitglied in einem Jachtclub werden. Wo befinden sich also in den Küstenstädten die Wassersportzentren? Nun, es sind eben die Jachtclubs! 

Das wird leider nicht vom Rathaus bezahlt, sondern wir Mitglieder bezahlen das mit unserem Geld. Schlimmer noch, wir zahlen viel Pacht, nur um hier an diesem Platz zu sein. Beim Fußball oder in der Leichtathletik ist offenbar alles kostenlos, weil jemand die Installation finanziert hat. Wassersport zu betreiben ist sicherlich teuer, aber die Installation kostet die Allgemeinheit keinen Cent, sie kostet diejenigen viel Geld, die als Mitglieder, als „Socios“, diesen Club finanzieren. Deshalb haben wir hier die Jollen, die Trainer, die „marineros“, die für die Sicherheit auf dem Wasser sorgen. So gesehen, es sind die Jachtclubs an den spanischen Küsten, die die eigentlichen Mehrzweck-Sporthallen des Meeres darstellen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Text & Photos: Michael Allhoff | AlphaMediaComunicación

Info:

Real Club Náutico de Torrevieja

Real Federación Española de Vela

Federación de Vela de la Comunidad Valenciana

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