Krise als Chance!

Wie ein Elefant im Porzellanladen

Millionstel Millimeter klein, aber explosiv – ein Virus wandelt die Welt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)  hat COVID-19 am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt. Doch Europa hat den Ernst der Krise nicht erkannt. Regierungspolitiker handelten – aber zu spät, zu zögerlich, zu halbherzig und zu national. Während Spanien wie Italien, Frankreich und Österreich frühzeitig den #Lockdown beschlossen, setzt Deutschland auch zehn Tage später weiterhin auf die freiwillige Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Bevölkerung.

Die Infizierung mit Sars-CoV-2 steht Virologen zufolge in einer Linie mit Pandemien wie der Pest, der Spanischen Grippe oder der Schweinegrippe. Die Pest hat im 14. Jahrhundert weltweit 25 Millionen Todesopfer gefordert – das entspricht einem Drittel der damaligen Weltbevölkerung. Die Spanische Grippe – ebenfalls verursacht durch ein Coronavirus – führte zwischen 1918 und 1920 in mehreren Wellen zu geschätzten 25 bis 40 Millionen Todesfällen weltweit. 

(Eine Randnotiz der Geschichte: Kanadier hatten die Influenza damals in Spanien eingeschleppt, der korrekte Name wäre also “Kanadische Grippe”; COVID-19 hieße dieser Logik zufolge “Chinesische Grippe”.)

Die Sterblichkeitsrate bei COVID-19 schätzen Virologen auf zwischen ein und drei Prozent. Und sie prognostizieren, dass sich über die kommenden zwei Jahre bis zu 70 Prozent der Menschen in Europa infizieren werden. So mehr Menschen an dem neuen Coronavirus erkranken und wieder genesen, desto besser entwickelt sich die Grundimmunität innerhalb der Bevölkerung gegen das Virus. Ärzte sprechen hier von einer Durchseuchung der Bevölkerung, die schließlich zur „Herden-Immunität“ führen werde. 

In der Regel nimmt die Infektion mit dem neuartigen Grippevirus einen erträglichen Krankheitsverlauf – mit trockenem Husten, Fieber, Atemnot. 80 Prozent der Erkrankten erholen sich von dieser Infektion, ohne jegliche Medikamentengabe. Doch aufgrund der aggressiven Verbreitung sowie der mangelnden Basisimmunisierung gegen das neuartige Virus offenbart sich die Letalität bei COVID-19 größer als bei der saisonalen Grippe. 

Es ist sicher keine Panikmache, wenn der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus eindringlich warnt: “Wir fordern jedes Land auf, schnell, umfassend und mit klarer Entschlossenheit zu handeln. Dies ist nicht die Zeit für Ausreden. Dies ist die Zeit, alle Register zu ziehen.” 

Es gelte unbedingt, die Infektionsketten des Coronavirus zu unterbrechen, um die Ansteckungsrate zu verlangsamen und die Infektionskurve zu verflachen. Der besorgte WHO-Generaldirektor appellierte an jeden Einzelnen: “Jeder Versuch, das Virus einzudämmen und die Ausbreitung zu verlangsamen, rettet Leben.”

Isolation, Quarantäne und #SocialDistancing

Spanien hat am 15. März die landesweite Ausgangssperre verhängt. 47 Millionen Menschen stehen quasi unter Hausarrest. Mit der drastischen Maßnahme der Erklärung des „Estado de Alarma“, des Alarmzutands, hat sich das ganze Land quasi in Quarantäne begeben. Alle Bürger sind angewiesen, zuhause zu bleiben und die Wohnung im Prinzip nur noch zur Arbeit und zum Einkaufen von Lebensmitteln zu verlassen. #YoMeQuedoEnCasa und #QuedateenCasa sind die Hashtags der Coronakrise in Spanien. Ich bleibe zuhause! Wenn Sozialkontakte weitestgehend unterbleiben – Stichwort “Social Distancing” – wird sich die Viruskrise totlaufen. 

Diese drastische Maßnahme, in Kraft gesetzt von Ministerpräsident Pedro Sánchez, offenbart sich als Chance, die rasante Ausbreitung des Coronavirus in Spanien zeitnah auszubremsen. Fakt ist: Ein Virusträger infiziert im Schnitt zwischen 1,5 und drei andere Menschen, es gilt, die Infizierungsrate auf unter eins zu drücken, damit die Pandemie des Coronavirus gestoppt wird.

Könnte man doch die Zeit zurückdrehen: Dann hätte Xi Jinping die Volksrepublik China wohl bereits zum Neujahrsfest (Jahr der Ratte) in Lockdown versetzt. Ganz Europa hätte die Grenzen dicht machen müssen – spätestens, als die WHO COVID-19 zur Pandemie erklärte. Viele, viele Infektionen hätten so verhindert werden können.

Stattdessen wird zwischen Brüssel und Berlin noch Panik verbreitet. Die Crux: Wissenschaftler warnten seit Jahren, dass sich eine Pandemie ähnlich der Spanischen Grippe wiederholen könnte und früher oder später auch werde. Dass sie jetzt da ist, hätte keine Regierung der Welt unvorbereitet treffen dürfen – ohne Schutzmasken, mit gravierenden Mängeln an Pflegekräften, ohne jegliche ausgeweitete medizinische Infrastruktur. Angesichts von 900 Milliarden Euro Investition in Rüstungsgüter für die NATO oder der “mobilisierten” 750 Milliarden Euro als Spritze für die Finanzwirtschaft hätte die erforderliche Aufrüstung der Gesundheitssysteme in Europa ein Klacks gekostet. Diese Chronik einer absehbaren Katastrophe kleidete “Spiegel”-Autor Nils Minkmar in die Worte: „Heute muss man feststellen, dass Europa die bislang größte Enttäuschung in der Krise ist.“

Das effektive Krisenmanagement in Spanien ist hoch anerkennenswert. ALLE bleiben ZUHAUSE, mit Ausnahmen wie der Arbeit, Einkauf von Lebensmitteln, Arzt- und Apothekenbesuchen… Hier bewährt sich eine langjährige,  autoritäre Führungsstruktur. Wie auch die Monarchie: König Felipe VI. hat drei Tage nach Erklärung des #EstadodeAlarma eine mitreißende und Mut machende TV-Ansprache gehalten. “Dieses Virus wird uns nicht besiegen. Im Gegenteil. Es wird uns als Gesellschaft stärken. Eine Gesellschaft, die solidarischer ist, vereinter!” 

Keine Panik vor COVID-19: Auch die saisonale Grippe erfordert jedes Jahr viele Todesfälle.

Es bleibt die Hoffnung und die Zuversicht, dass aufgrund des Social Distancing im Rahmen der deklarierten Ausgangssperre in Spanien die Epidemie südlich der Pyrenäen zügig unter Kontrolle gebracht werden kann. Wir erleben in dieser schweren Zeit bereits eine neue Solidarität der Menschen untereinander. Dank der gewonnen Zeit zuhause verbinden wir uns auf einfühlsamere Art mit vielen Menschen, die uns nahestehen. Mittels Video-Chat, Sozialen Netzwerken und langen Telefonaten entdecken wir trotz körperlicher Distanz und der Isolation zuhause eine neue Empathie. Jede Krise birgt ihre eigenen Chancen – machen wir das Beste draus!

#DoSomethingNice #ideashaveconsequences

Michael Allhoff

Weiterführende Links:

Graphische Übersicht historischer Pandemien

▶️ http://bit.ly/2QqB1qE

Visualisierung von Datenjournalisten zur Ausbreitung von Corona

▶️ http://bit.ly/2vml0L0

Positive Interpretation einer Welt im Wandel

▶️ https://bit.ly/39cD6xa

2 thoughts on “Krise als Chance!

  1. Hallo Michael,
    das ist ein guter Aufruf zur Corona-Krise, den du da gepostet hast! Wozu eine autoritäre Führung doch manchmal gut sein kann … (grins).
    Kleiner Einwand: Ich würde lieber von ‘physical distancing’ sprechen als von ‘social distancing’, denn sozial wollen wir uns ja nicht voneinander entfernen.
    Mit herzlichen Grüßen von der Isla bonita 🌴
    Wolf (Sugata)

    1. Lieber Sugata, danke für Dein positives Feedback. Tatsächlich halten sich die Spanier vorbildlich an #WirBleibenZuhause, und das schon seit dem 15. März. Der Begriff “Social Distancing” wurde wohl zu Zeiten eingeführt als es das Social Web und Soziale Netzwerke und #DigitaleTransformation noch nicht gab. Der Begriff geht wohl auf Dr. Max C. Starkloff zurück, der als Gesundheits-Stadtrat es angesichts der Spanischen Grippe in St. Louis mit seinen Maßnahmen zur Isolation und Quarantäne vermochte, dass die Stadt eine der niedrigsten Sterbefallraten unter den zehn größten amerikanischen Städten aufwies, die Hälfte von Metropolen wie Pittsburgh oder Philadelphia. Ich werde Deinen Impuls aufnehmen und den text überarbeiten. Herzliche Grüße von der Costa Blanca, alles Beste

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